Europa ist in einer schwierigen Lage. Die Eurokrise ist nicht nur eine Krise des europäischen Finanzsystems, sondern eine Krise des europäischen Erfolgsmodells.
Ein Scheitern des Euros würde zu unkalkulierbaren, ökonomischen Kosten führen, gerade auch für Deutschland. Diese Kosten würden wir alle bezahlen. Betroffen wären vor allem auch die Arbeitnehmer. Noch schwerwiegender wären aber die politischen Folgen eines gescheiterten Euros und einer strauchelnden Europäischen Union.
Deutschland war und ist einer der größten Nutznießer der politischen und wirtschaftlichen Einigung Europas. Über Europa hat Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg den Weg zurück in die Staatengemeinschaft gefunden. Die Exporte in den Binnenmarkt haben das deutsche Wirtschaftswunder mit angefeuert. Die friedliche Wiedervereinigung war nur durch unsere Einbindung in Europa möglich. Der politische Gewinn der Europäischen Union für Deutschland übersteigt alle Integrationskosten bei weitem.
Europäische Krisen gab es schon früher. Dabei war Deutschland immer ein wichtiger Teil der Lösung. Deutsche Interessen waren für uns immer untrennbar mit europäischen Interessen verbunden. Darauf kann Deutschland stolz sein. Gerade in Krisenzeiten muss sich Deutschland auf seine Rolle als Motor der europäischen Einigung zurück besinnen.
Hier geht es nicht um das Zurückstellen nationaler Interessen. Eine proeuropäische Führungsrolle liegt im ureigenen Interesse Deutschlands, als Wirtschaftsnation und Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Nur in einem starken Europa kann Deutschland in der heutigen Welt eine tragende Rolle spielen. Dabei gilt: Vieles in Europa kann von Deutschland vorangetrieben werden, während Deutschland für das europäische Einigungswerk unverzichtbar ist.
Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: den zaudernden Schritt zurück, d.h. die Auflösung des Euros einhergehend mit dem drohenden Aus der europäischen Integration mit allen seinen wirtschaftlichen und politischen Gefahren oder den mutigen Schritt nach vorne zu einer echten Wirtschafts- und Finanzunion.
Wir plädieren für den mutigen Schritt voran und dafür, dass Deutschland diesen Schritt zusammen mit seinen europäischen Partnern während des nächsten EU-Gipfels am 16. und 17.12. wagt. Langfristig werden die politischen und ökonomischen Gewinne die Kosten für diesen mutigen Schritt mehr als wettmachen.
Die weitere europäische Integration liegt im ureigenen Interesse unserer Bürger als Deutsche und Europäer. Dies ist der Moment, in dem Deutschland zeigen muss, dass es zu seiner Zukunft in einer starken und geeinten Europäischen Union steht.
Michael M. Thoss, Geschäftsführendes Mitglied des Stiftungsrats, Allianz Kulturstiftung
Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender, Bertelsmann Stiftung
Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand, BMW Stiftung Herbert Quandt
Heike Catherina Mertens, Vorstand, Schering Stiftung
Dr. h.c. André Schmitz-Schwarzkopf, Vorstandsvorsitzender, Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa
Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer, Stiftung Mercator
Dr. Volker Hassemer, Vorstandsvorsitzender, Stiftung Zukunft Berlin
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